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Schule der Zukunft – eine Ergänzung

Schule der Zukunft – eine Ergänzung

Im Hintergrund ist ein Wald zu sehen, davor ein Hand die ein Buch aufgeschlagen in die Luft hält.

von Dr. Karl-Heinz Leister

Weder ist das Thema „Zukunft Schule“ ausdiskutiert, geschweige denn in merklichem Umfang eine Modernisierung realisiert.
Deshalb halte ich es für sinnvoll, eine Ergänzung nachzuschieben, die mir in Zeiten der Entsolidarisierung* unserer Gesellschaft sehr wichtig erscheint.

Zu verstehen sind die Versuche jeweils kleiner Gruppen, ihre Interessen und Ansichten über die der derzeitigen Mehrheitsgesellschaft zu stellen. Dabei möchte ich nicht gegen Minderheitenrechte in unserer demokratischen Ordnung eingehen. Ich verstehe darunter in Bezug auf unser Schulsystem die Konzentration von gruppenzugehörigen Kindern/Schüler*innen in bestimmten Schulen und Schulformen.

Da gibt es Klassen mit Schüler*innen mit hohem migrantischem Hintergrund, und solche mit überwiegend deutschen Vorfahren. In einigen Klassen befinden sich bestimmte Religionszugehörigkeiten, in anderen hat man gehäuft Kinder aus bestimmten Einkommensverhältnissen.

Diese Verhältnisse sind schädlich für eine solidarische Gesellschaft, die wir sie in Anbetracht der großen Probleme (Corona-Pandemie, Klimaveränderungen, Erstarken autoritärer Systeme, Glaubenskämpfe) benötigen.

Das Buch von Ahmad Mansour "Solidarisch sein!" mit rotem Bucheinband liegt auf einer schwarzen Tastatur. Daneben liegt ein Buchlesezeichen gehäkelt in Form eines grünen Frosches.

Ahmad Mansour “Solidarisch sein!”

Ich fand im Buch von Ahmad Mansour „solidarisch sein“ (vollständige Angaben hierzu am Ende des Beitrags) einen Abschnitt (ab S. 108), der mir in Zusammenhang mit „Schule der Zukunft“ wichtig erscheint.

In unserer Diskussion bei Menschen in Hanau lag unser Augenmerk auf der Digitalisierung, die uns jetzt in Zeiten des Distanz-Unterrichts sehr mangelhaft erscheint. Diese sollten aber aufgrund des entstehenden Drucks endlich vorangebracht werden. Sie führt dazu, „dass ein Unterricht unabhängig von der Schule als Ort stattfinden“ kann.

„Die Digitalisierung könnte die Chance bieten, (unsichtbare) Grenzen zu überwinden und Begegnungen zu schaffen. Begegnungen, die im Moment viel zu wenig stattfinden. Online-Begegnungen könnten zu Offline-Begegnungen führen.“
„In den Schulen müssen Biographiearbeit, Extremismusbekämpfung und Demokratieerziehung stattfinden. Lehrer müssen endlich bewusst und gezielt das Kennenlernen unter den Schülern fördern, denn Schüler brauchen Begegnung, um voneinander zu lernen. Die Schule ist der einzige Ort, an dem Begegnungen mit anderen Menschen für alle obligatorisch sein könnten. Hier können die Wurzeln für eine offene Gesellschaft entstehen, in der es ganz selbstverständlich ist, mit anderen Menschen im Austausch zu sein.“

 

Praktisch könnte das so organisiert werden, „dass man 2 x im Monat einen Tag der Begegnung hat, bei dem man sich mit einer Klasse aus einem anderen Stadtteil trifft und über Politik spricht oder gemeinsamen Englisch- oder Mathe-Unterricht hat. So wäre kein Lehrplan gefährdet und trotzdem ein Austausch möglich.“

„Langfristig muss es außerdem Programme geben, in denen sich auch Schüler mit unterschiedlichen Bildungshintergründen kennenlernen. Wir brauchen eine grundlegende Reform des gesamten Schulsystems, dessen Entwicklung irgendwo zwischen 1970 und 1980 stehengeblieben ist.“

Diese Begegnungsmöglichkeiten können technisch schon jetzt mithilfe der digitalen Medien relativ leicht realisiert werden. Vorausgesetzt wird hier natürlich, dass Schüler*innen und Lehrer*innen den Umgang mit Geräten und Internet gelernt haben.

Diese „Tage der Begegnung“ stellen eine völlig neue Art des Unterrichts dar, der bisher nur schwer zu organisieren war und deshalb nicht realisiert wurde.

Ich hoffe sehr, dass Ideen wie diese bald aufgegriffen werden, nicht nur unter dem Druck der Pandemie, sondern vielmehr zum Erhalt unserer freiheitlichen Demokratie.

Zitate stammen aus dem Buch:
Ahamad Mansour, „solidarisch sein! Gegen Rassismus, Antisemitismus und Hass“, S. Fischer Verlag GmbH, 2020, ISBN 978-3-10-397066-1

*Entsolidarisierung: sich aus der Verbundenheit einer Gruppe lösen.

Informationen zu Ahmad Mansour und seinem Werk: hier

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