post-title “Planst Du noch oder machst Du schon?” – Diskussions-RAUM im Dezember 2020

“Planst Du noch oder machst Du schon?” – Diskussions-RAUM im Dezember 2020

“Planst Du noch oder machst Du schon?” – Diskussions-RAUM im Dezember 2020

Inmitten von einem großen Feld mit Buchsbäumen sind riesige graue Köpfe zu sehen. Alle haben einen anderen Gesichtsausdruck.

Eine kleine Gruppe von Menschen – das „Organisations-Team – berät immer circa 2 Wochen vor der nächsten Diskussionsrunde darüber, welche Themen interessant sind oder uns berühren. Meist diskutieren wir bei dem Finden des Themas schon sehr intensiv. Dabei überlegen wir uns mögliche Fragen und Perspektiven zu einem Thema.

Bei den Überlegungen zum letzten Diskussions-RAUM im Dezember 2020 war schnell klar, dass wir das Jahr nicht mit negativen Gedanken beenden möchten. Das Ergebnis des Treffens war diese Ankündigung für unseren Diskussions-RAUM:

Wie gehen wir mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie im Jahr 2021 um?

Wie planen wir das Jahr 2021?

Natürlich kann man für jetzt und für 2021 Pläne machen; aber die Randbedingungen können sich schnell ändern. In den vergangenen Jahren wurden um diese Zeit die dicken Urlaubskataloge gewälzt und die Lieblingsquartiere bereits gebucht.

Was ändert sich im Umgang mit Familie, Freunden, Kollegen, Mitmenschen? 

Weihnachten, Silvester stehen vor der Tür mit vielen engen Kontakten in warmen Wohnzimmern und Küchen. Und jetzt? Können wir uns einfach so darauf einlassen, dass es anders sein wird?

Bin ich mit den politischen Entscheidungen zufrieden?

Die da oben!  Entscheidungen hinter verschlossenen Türen! Abstimmung über das Bevölkerungsschutzgesetz. Kontrolle, ob AHA-Maßnahmen im öffentlichen Raum eingehalten werden. Das geht nicht einfach so an einem vorbei.

Alle machen sich Gedanken, wie es wohl weitergeht – morgen, in einem Monat, in 6 Monaten. Wie wird sich die Situation entwickeln? Wir werden zu Laien-Epidemiologen und reden über Lock-Down; Worte, die wir vorher noch nicht kannten oder zumindest nicht benutzt haben.

Wie gehe ich persönlich mit der Ungewissheit um? Mit jedem Kratzen im Hals und leichtem Erkältungsfieber erfasst einem die Vorstellung, bald auf der Intensivstation mit vielen Schwerstkranken und Sterbenden zusammenzuliegen, ohne Bewusstsein, ohne Besuch von der Familie und Freunden.

Wir durchleben eine schwierige Zeit, und es hilft nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Es bringt uns nicht weiter, jetzt in eine Depression zu verfallen. Also blicken wir nach vorn und suchen neue Wege, um das Beste aus der Situation zu machen. Rüsten wir uns auch mental für die Umstände, die so sind wie sie sind und die wir persönlich doch etwas beeinflussen können. 

Große graue Köpfe in einem Buchsbaum-Feld in den Les Jardine d’Etretat

Unser Diskussions-Abend begann mit dieser Frage:

Was mache ich in dieser Pandemie-Situation? Wie fühle ich mich?

Zuhause sein

Alle berichteten, dass sie viel Zeit zuhause verbringen.

Mittlerweile ist es normal, von zuhause zu arbeiten, zu lernen oder gar Sport zu treiben. Einige aus der Runde genießen es, dass so mehr Ruhe in ihr Leben gekommen ist, die Fahrzeiten fallen weg, das Gewusel bei der Arbeit oder in der Stadt.

Besuch zuhause ist selten und wenn einmal ein Gast kommt, dann wird davor gelüftet und danach. Außerdem sitzen alle weit auseinander.

Zunehmend anstrengender wird das Abstand halten von lieben Menschen, wie den Großeltern. Diese Treffen finden mit besonderer Vorsicht statt. Diejenigen, die nicht die Möglichkeit haben, sich zu isolieren, weil sie in einem Beruf mit Publikumsverkehr arbeiten, sind unsicher im Besuchen der Familie.

Einheitlich war die Meinung der Gruppe, dass sie sich versuchen, so zu verhalten, dass sie niemanden anstecken. Unbestritten gehört das Tragen einer Maske zum Alltag.

Die Einschätzung, wie jede*r verhält, damit niemand angesteckt wird, ist schon in der kleinen Gruppe sehr unterschiedlich. Durch den Austausch verstehen wir einige Handlungsweisen besser.

Gemeinschaftsgefühl

Es ist im letzten Jahr ein größeres Gemeinschaftsgefühl für die Menschen im eigenen Umfeld entstanden. So berichtet eine Teilnehmerin, dass bei einem Zahnarztbesuch ihre Gedanken um die Zahnarzthelferin kreisten, und ob sie gut geschützt ist.

Beim Spazieren grüßen die meisten Menschen. Ein neues Ritual ist entstanden, zwar wird beim Vorbeigehen mehr Abstand gehalten – fast wie ein Tanz – aber dafür schaut man sich kurz an und grüßt sich.

Keine Ausreden mehr

Positiv wird empfunden, dass es keine Ausreden mehr braucht. Zum Beispiel mag nicht jeder Silvester feiern. Das ist in Deutschland eine feste Tradition und es musste immer gut überlegt werden, warum man nicht mit feiern möchte.

Interessant ist, wie sich die Sicht auf Dinge verändern kann. Die letzten Jahre haben die meisten Menschen gejammert über den Weihnachtsstress und die Silvester-Knallerei. Und auf einmal fehlt genau das.

Der Akku leert sich …

Je länger der Winter und die Einschränkungen dauern, desto schwieriger wird es für den einzelnen. „Mir fällt die Decke fällt auf den Kopf. Mittlerweile habe ich keine Lust mehr und komme an meine Grenzen.“

Besondere Anlässe fehlen

Die Kunst, Veranstaltungen, Musik und Ausstellungen, ins Restaurant gehen waren besondere Anlässe. Dafür hat man sich gerne „aufgebrezelt“, das bedeutet man hat sich schön zurechtgemacht. Sie gaben Energie.

Wie sieht es mit den Planungen für 2021 aus?

Die Mehrheit der Gruppe ist bei den „großen“ Urlaubsplanungen eher vorsichtig. Einen Urlaub im Ausland hat noch keiner geplant. Angedacht sind kleine Urlaube, so zum Beispiel Wandern in den Bergen oder regionale Ausflüge.

Die Wochenenden werden intensiver genutzt. Sie werden genutzt, für kleine „Fluchten“ aus der Wohnung.

Eine Teilnehmerin vermisst es, dass Familien-Urlaube, der Besuch der Tochter oder Eltern nicht wirklich geplant werden können.

Die Gruppe ist sich einig, lieber auf den Urlaub zu verzichten als Risiken einzugehen.

Wie erlebt ihr das Einkaufen?

Das Einkaufen ist anstrengend. Die Möglichkeit sich zu desinfizieren ist oft nicht gut. Einiges ist nicht erhältlich. Menschen kaufen Berge von Sachen ein.

Alte Bräuche kommen wieder

Gut ist es für Firmen, die einen Liefer-Service anbieten. Alte Bräuche werden modern, so war es früher üblich, dass Getränkekisten vom Getränkehändler geliefert wurden, die „Gemüsefrau“ (damit ist eine Händlerin gemeint, die Gemüse auf einem Markt oder Laden verkauft) einmal in der Woche in der Straße hielt.

Genial Lokal

Die Teilnehmenden unterstützen die lokalen Händler und sind begeistert, wie nett der Service einiger Händler ist, man kommt so doch tatsächlich ins Gespräch.

In Großauheim hat mitten in der Pandemie im August 2020 eine kleine Buchhandlung aufgemacht. Auch wenn die Vorzeichen mit Sicherheit nicht gut waren, ist es eine tolle Bereicherung des Stadtteils. Die Bestellungen gehen telefonisch oder mit Mail absolut unkompliziert und keine Internet-Bestellung kann in der Beratung mithalten. Es fällt kein Verpackungs-Müll an. Geschenke werden liebevoll und achtsam verpackt.

Schaut unbedingt mal auf die Webseite von „Lass uns lesen“.

Die Einkaufswelt wird sich massiv verändern …

Mittlerweile war die Stimmung in der Teilnehmer-Runde so gelockert, dass eine kurze Reise in die Zukunft unternommen wurde. Bei dieser Fantasie-Reise, wurde überlegt, was aus den Supermärkten auf der grünen Wiese alles entstehen könnte. Vielleicht sogar „Mehrgenerationen-Häuser“

Städteplaner müssen jetzt überlegen, wie sie die Innenstädte am Leben erhalten. Es wird sich eine Mischform entwickeln.

Achtung: „Konsum“ ist nicht soziales Leben

In Hanau gibt es nur ein Gebäude, in dem man sich aufhalten kann, ohne etwas zu konsumieren. Es muss mehr konsumfreie Begegnungsorte in einer Stadt geben – Plätze, Orte, grüne Flächen, Wiesen und mehr.

Mehr Möglichkeiten zur Begegnung, vielleicht auch kleinere Geschäfte macht Hanau attraktiver. Es müssen Konzepte her.

Wir wollten positiv Denken – trotz COVID19 …

Die Natur erholt sich

Die Natur kann sich ein Stück weit von der Zerstörung durch die Menschheit erholen (Co2-Ausstöße haben sich verringert.
In der nordindischen Region Punjab in Indien haben die Einwohner berichtet, dass sie wieder bis zum Himalaya-Gebirge sehen. An die 30 Jahre lang war dies nicht mehr möglich.

Der Luftverkehr und der Verkehr auf den Straßen hat abgenommen. Selbst die Meere erholen sich ein wenig, da die großen Kreuzfahrschiffe nicht fahren. Dies ist auch in der Lagune von Venedig zu beobachten. Der Bootsverkehr hat dort rapide abgenommen.

Zusammenhalt in der Gesellschaft

  • Die Rücksichtnahme aufeinander ist im Großen und Ganzen größer geworden. Ein schönes Beispiel dazu sind die Angebote aus der Nachbarschaft, für eine Nachbarin mit erhöhtem Ansteckungs-Risiko einkaufen zu gehen.
  • In einer Schlange anzustehen klappt ganz wunderbar ;),
  • Es fällt leichter, jemanden einfach mal anzusprechen, denn die irgendwie ist ein stärkeres Gefühl der Verbundenheit vorhanden. Wir „leiden“ gemeinsam.

Neuer Umgang mit dem Konsum

Dadurch, dass Geschäfte geschlossen sind, Reisen zeitweise unmöglich bzw. zum Teil einfach schwieriger geworden ist, viele Luxusartikel nicht mehr im extremen Ausmaß gebraucht werden, haben wir die Möglichkeit das wertzuschätzen, was wir haben.

Wir haben die Chance zu lernen, weniger zu konsumieren und demütiger und dankbarer zu sein.

Veränderungen in der Arbeitswelt

Home-Office wird gerade zur Normalität. Dadurch hat man mehr Zeit für Freunde und Familie.
Es wäre gut, wenn eine Mischung bleiben würde, zum Beispiel 3 Tage von zuhause arbeiten und 2 Tage im Büro.

Ganz von zuhause arbeiten, möchte von den Teilnehmenden niemand. Eine der Begründungen ist, dass uns auf Weg zur Arbeit andere Menschen begegnen, so wird die Vielfalt der Menschen sichtbar, die man sonst nicht sehen würde und mit denen man nicht in Kontakt kommen würde.

Berufe, die vorher weniger wichtig erschienen oder sehr oft nur im Hintergrund waren, werden viel mehr wertgeschätzt. Wie zum Beispiel die Erzieher*innen, Berufe im Pflegebereich, Einzelhandelsmitarbeiter*innen, …

Persönliche Erfahrungen

  • Die Kreativität nimmt zu.
  • Die Selbstfürsorge ist besser geworden, man hat mehr Zeit für sich selbst – zum Beispiel für das Lesen, um (online) Kurse zu besuchen.
  • Selbstreflektion – was ist mir wichtig, wo will ich hin und was möchte ich auf alle Fälle nicht.
  • „Alte Seilschaften“ / Freundschaften wurden wieder aufgegriffen.
  • Einiges muss neu durchdacht werden, so entstehen neue Dinge.

Neue Freundschaften / neue Ausrichtungen sind trotz Corona möglich: „Ich bin dieses Jahr politisch aktiv geworden. Außerdem war es gut, eine Gruppe, die sich ehrenamtlich engagiert, getroffen zu haben. Toll, dass durch die Möglichkeit digitaler Treffen eine Verfestigung stattfinden konnte. Früher wäre ich am Abend oft zu müde gewesen, noch zu einem Treffen zu gehen. Das persönliche Kennenlernen fand in während langer Spaziergänge statt. Es ist so, als wäre ich schon lange ein Teil dieser Gruppe.“

Verändert sich mein Leben im Jahr 2021?

Es wird sich nicht viel verändern. Viele der Teilnehmenden sind flexibler in ihren Jahresplanungen bzw. berücksichtigen die Jahreszeiten mehr. Reisen wird eher in den Sommermonaten möglich sein.

Eine Teilnehmende hat eine „To do Liste ist für 2021“ erstellt, mit den Dingen, die schön sind und die sie gerne machen möchte.

Einige planen neue Aktivitäten, neues Engagements in Themenfeldern, die ihnen wichtig sind.

Alle sind sich einig, dass sie lieber mit weiteren Einschränkungen rechnen und sich darauf einstellen und sich lieber freuen, wenn es anders kommt.

Vorschläge zum besseren Umgang mit einem „Lockdown“ von Cagla

Aufbau von Tages-Strukturen:

  • zu festen Zeiten aufstehen,
  • feste Essenszeiten,
  • Ruhephasen einbauen (lesen, zeichnen, Hobbies nachgehen),
  • genügend Bewegung (spazieren, online-workouts, …),
  • Studenten/innen: Lernpläne erstellen, online-schooling-Pläne erstellen, Pausen (mit Bewegung am besten an der frischen Luft) einplanen.

Aufmerksamkeit trainieren …

…, indem man z.B. die Natur aktiver wahrnimmt, den Wind, Regen oder die Sonnenstrahlen aktiv auf der Haut spürt.

Probiere einmal diese Achtsamkeit-Übung aus:

Die 5-4-3-2-1-Übung

  • 5 Dinge beobachten, die Du siehst.
  • 4 Geräusche, die Du hörst.
  • 3 Empfindungen, die Du spürst.
  • 2 Gerüche, die Du riechst.
  • 1 Sache, die Du schmeckst.

In stressigen Situationen findest Du mit dieser Übung sehr schnell wieder zum Ruhepuls.

Neue Erfahrungen können helfen:

  • Auf die Ernährung achten; neue Rezepte zum Kochen oder Backen ausprobieren.
  • Die Wohnung umgestalten oder den Kleiderschrank ausmisten.
  • Sich ehrenamtlich betätigen, so bekommt man auch zunehmend Kontakt zur „Außenwelt“.
  • Such Dir neue Hobbies.
  • Abstand von Sozialen Medien gewinnen: weniger Instagram, Facebook, etc.
  • An online-Seminaren oder Workshops teilnehmen.
  • Aufbau eines positives „Mindsets“* und auf die eigene Psyche achten und Selbstfürsorge betreiben (vor allem dieser Punkt wurde bisher durch verbindliche Termine/Meetings/lange Arbeitszeiten oft vernachlässigt).

Zu guter Letzt 

Mindset – was bedeutet das?

Das Wort stammt aus dem Englischen. Übersetzt bedeutet es, die Art und Weise wie wir uns und die Welt sehen. Ein gutes Beispiel zur Beschreibung, was damit gemeint ist, ist die Betrachtung eines Glases das halbvoll ist. Manche empfinden es aber als halbleer.

10 Tipps für positive Gedanken in Corona-Zeiten findest Du hier.

Diese besonderen Köpfe in den Buchsbäumen wurden in den “Gärten von Etretat” aufgenommen.

 

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