post-title Perspektivwechsel – Schüler*innen erkunden Hanau mit dem Rollstuhl

Perspektivwechsel – Schüler*innen erkunden Hanau mit dem Rollstuhl

Perspektivwechsel – Schüler*innen erkunden Hanau mit dem Rollstuhl

Perspektivwechsel im Rollstuhl: auf dem Weg zum Klinikum. EIn junger Schüler sitzt im Rollstuhl und fährt an der Straße entlang Richtung Klinikum Hanau.

Am 22.05.2019 haben Rita und Elke von “Menschen in Hanau” mit Schüler*innen der 10. Klasse der HOLA Schule (Hohe Landesschule Hanau) einen Perspektivwechsel veranstaltet. Fünf Schüler*innen selbst haben einen Bericht verfasst. Aber lest selbst!

Bericht Nr. 1

Wir hatten mit unserer Klasse die Möglichkeit, eine Stunde mit einem Rollstuhl verschiedene Aufgaben zu erledigen. Nach einer kurzen Einführung ging es auch schon los und wir bekamen unsere Aufgaben.

 

Aufgabe 1: Einkaufsbummel im Forum

Es gibt einen Laden, der nicht mit dem Rollstuhl erreichbar ist. Welcher ist das?

Der gesuchte Laden heißt „Olymp & Hades“, da dieser nur mit einer Rolltreppe zu erreichen ist.

Im Forum selbst war es erst mal ungewohnt zu fahren. Die Personen waren aber größtenteils sehr freundlich und haben einem beispielsweise die Tür aufgehalten. Die Fahrt mit dem Aufzug war eine kleine Herausforderung, da man sich relativ schnell koordinieren musste. Dies hat nicht immer direkt so funktioniert, wie man es gerne gehabt hätte.

 

Aufgabe 2: Besuch der Altstadt

Klingt relativ einfach: Am Tivoli Theater (Am Freiheitsplatz 12) vorbei in die Marktstraße, durch die Altstadt bis zum Biergarten am Schlosspark. Unterwegs schauen, wie viele Geschäfte Stufen haben. Auch mal in einen Laden reinrollern und schauen, wie man zurecht kommt.

 

Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass es sehr viele Geschäfte mit Stufen gibt. Ohne Hilfe fühlt man sich sehr schnell hilflos und weiß nicht, wie man sich am besten verhalten soll. Am Anfang ist es sehr schwierig, das Gleichgewicht so zu halten, dass der Rollstuhl nicht anfängt zu kippen. Da es auf dem Weg verschiedene Untergründe, wie beispielweise Kopfsteinpflaster, gibt, war auch das teilweise etwas schwierig, da der Rollstuhl sich auf unterschiedlichen Untergründen auch unterschiedlich verhält.

Außerdem waren wir als kleine Gruppe auf dem Wochenmarkt und in einem kleinen Einkaufsladen. Der Markt war sehr voll. Man bemerkte also viele Blicke während man, so gut es ging, über den Markt fuhr. Der Einkaufsladen war sehr schwierig, einige Personen achteten nicht auf einen und liefen beispielsweise direkt vor einem oder ließen einen nicht durch. Die Gänge waren für Rollstühle viel zu eng. Man konnte fast nur mit Hilfe nichts umschmeißen.

 

Als Fazit lässt sich sagen, dass es eine sehr interessante Möglichkeit war. Es hat sehr viel Spaß gemacht, auch wenn es teilweise schwierig und sehr anstrengend war.

Bericht von Celine Hunkel; Klasse 10f, Hohe Landesschule Hanau

 

Bericht Nr. 2

Hanau im Rollstuhl? Olymp & Hades!

Nachdem meine Klasse (10F) am Projekt „Wheelmap“ teilgenommen hat und wir über mehrere Wochen lang Orte bewertet haben, ob sie gut rollstuhlgerecht, weniger rollstuhlgerecht oder gar nicht rollstuhlgerecht sind, hatten wir am 22.05.2019 die Möglichkeit, uns auf dem Hanauer Freiheitsplatz in die „Rollstuhlfahrerwelt“ hineinzuversetzen.

Die Rollstühle werden angeliefert - vielen Dank! EIn Transporter hat die Rollstühle auf der Ladefläche. Rita nimmt sie in Empfang.

Die Rollstühle werden angeliefert – vielen Dank!

Wir haben Gruppen gebildet und jede Gruppe bekam einen Rollstuhl, sowie eine Aufgabe. Meine Freundin und ich haben uns dann mit einer zweiten Gruppe zusammengeschlossen und unsere Aufgaben waren es, einmal ein Geschäft aufzusuchen, welches nicht mit dem Rollstuhl zu befahren ist. Dieses war das Geschäft Olymp und Hades, da es nur über eine Rolltreppe zu erreichen ist.

Die zweite Aufgabe war es in die Altstadt zu fahren und zu zählen, wie viele Geschäfte nur durch Treppen zu erreichen sind und uns ist aufgefallen, dass es einige sind. Nachdem wir die Aufgaben fertig hatten, sind wir mit zwei anderen Gruppen zum Rewe am Markplatz gefahren und dort war es relativ eng und schwer durchzukommen. Erfreulicherweise gab es Personen, die darauf geachtet haben, dass man genug Platz hat zum Durchkommen. Aber ebenso gab es Personen, die darauf gar nicht geachtet haben. Danach sind wir über den Markt gefahren und zurück zum Treffpunkt.

 

Ich fand diese Erfahrung echt schön, da man sich viel besser in die Personen, die im Rollstuhl sitzen, hineinversetzen kann und Erfahrungen sammeln konnte.  Außerdem hat man sich unwohl gefühlt, wenn andere nicht auf einen geachtet haben. Ich finde es sollten mehrere diese Erfahrungen machen, damit auch alle erkennen, dass Menschen im Rollstuhl genauso sind, wie die Menschen, die nicht im Rollstuhl sitzen. Denn nur durch solche Erfahrungen lernt man was Inklusion bedeutet und man kann sie verbessern.

Michelle Lind, 10F

 

Bericht Nr. 3

Mit dem Rollstuhl im Bus und durchs Hanauer Forum

Am 22.05.2019 führten wir, Klasse 10F, einen Perspektivwechsel durch und waren für eine Stunde in einem Rollstuhl in Hanau unterwegs. Wir hatten verschiedene Aufgaben, die wir als Rollstuhlfahrer bewältigen mussten.

Wir trafen uns am Freiheitsplatz mit Rita Ebel, die selbst im Rollstuhl sitzt. Dann teilten wir uns in kleine Gruppen ein und bekamen unsere Aufgaben. Einige aus der Klasse mussten Einkaufen gehen, andere Bus fahren.

Meine Gruppe und ich fuhren zunächst einige Stationen mit dem Bus. Dort gab es bereits das erste Problem. Um in den Bus einzusteigen, musste man zunächst eine Rampe ausklappen und beim Ausklappen der Rampe half uns niemand. Wir stiegen dann nach einer kurzen Busfahrt wieder aus und liefen/fuhren ein Stück an der Straße lang. Ein Mitglied meiner Gruppe, welcher im Rollstuhl saß, rollte aus Versehen auf die Straße und sofort kam ein Mann und schob ihn wieder auf den Bürgersteig. Das hat uns gezeigt, dass es auch Personen gibt, die helfen und nicht wie die Personen im Bus nur zugucken.

 

Anschließend gingen/fuhren wir zum Forum Hanau und gelangten mit dem Aufzug in das untere Geschoss. Dort gingen wir zum Rewe, um etwas zu trinken zu kaufen. Wir haben uns aufgeteilt, um festzustellen, ob jemand hilft, wenn man als Person im Rollstuhl nicht an ein Regal weiter oben kommt. Tatsächlich half ein Mitarbeiter und fragte danach sogar, ob er noch etwas helfen kann. Außerdem machten viele Personen, sogar mit Kinderwagen, Platz und gingen aus dem Weg.

Nach unserem Besuch im Rewe fuhren wir mit dem Aufzug wieder hoch und es ging wieder nach draußen. Wir trafen uns mit einer anderen Gruppe aus unserer Klasse und gingen dann gemeinsam zu McDonalds. Dort war es jedoch sehr voll und es war sehr schwer, sich dort mit dem Rollstuhl zu bewegen.

Ebenfalls sehr eng war es im Rewe am Marktplatz, wo man nur schwer durch die Regale kam und auch an der Kasse kam man nicht überall durch. Wir gingen dann langsam wieder zum Treffpunkt, jedoch war es in der Stadt und besonders auf dem Markt teilweise sehr eng und nicht alle Personen machten Platz. Leider war der Perspektivwechsel dann schon vorbei.

 

Sowohl als Rollstuhlfahrer, aber auch als Begleitperson, fühlte man sich anders als „normale“ Fußgänger. Als Begleitperson musste man immer auf den Rollstuhlfahrer achten und darauf vorbereitet sein, dass man helfen muss und somit fühlte man sich für die andere Person verpflichtet. Es war aber erleichternd, dass auch andere Personen, die man nicht kannte, halfen. Jedoch vergas man öfter, dass man z.B. am Bordstein nicht einfach hinuntergehen konnte, sondern auf eine Absenkung achten musste. Wenn man den Rollstuhl etwas länger schob, war es zugegeben etwas anstrengend.

 

Als Rollstuhlfahrer hingegen musste man sich am Anfang erstmal daran gewöhnen, im Rollstuhl zu sitzen und man fühlte sich dabei unsicher. Die Begleitperson gab einem zwar mehr Sicherheit, aber trotzdem war es am Anfang schwer, mit dem Rollstuhl fahren, bremsen und „Gas geben“ richtig zu koordinieren. Manche Straßen waren einfach zu befahren, andere, wie z.B. Kopfsteinpflaster, waren um einiges komplizierter. Es war zudem schwerer von einem Bürgersteig auf die Straße zu kommen, da man erst nach einer Bordsteinabsenkung suchen musste.

Es war eine interessante und neue Erkenntnis. Es war spannend zu sehen, wie es zum einen ist im Rollstuhl zu sitzen und zum anderen zu sehen, wie andere auf Rollstuhlfahrer reagieren.

Pauline M. Müller, 10 F, meghann@gmx.de

 

Bericht Nr. 4

Kartografen im Rollstuhl

Am 22.05.2019 versammelten sich die Schüler*innen der Klasse 10F mit ihrem Erdkunde-Lehrer Herr Prochnow am Freiheitsplatz in Hanau, um am Projekt „Perspektivwechsel“ teilzunehmen. Dieses wurde von Rita Ebel geleitet.

Infolge des zahlreichen und erfolgreichen Kartografierens von öffentlichen Einrichtungen, Behörden, Cafés, Restaurants, Geschäfte, Bushaltestellen und anschließendem Bewerten der Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer*innen mithilfe des Ampelsystems von Wheelmap hatte die Klasse 10F die Gelegenheit sich einmal selbst in die Lage eines Rollstuhlfahrenden zu versetzen.

Begonnen hat der lehrreiche Tag mit der komprimierten Vorstellung von Rita Ebel. Daraufhin wurden den Schüler*innen mehrere Rollstühle zur Verfügung gestellt. Durch das Rollstuhlfahren erhielten wir die Möglichkeit, neue Perspektiven zu gewinnen.

Anfangs ist es einigen Schülern schwer gefallen, sich mit einem Rollstuhl fortzubewegen – vor allem auf Kopfpflastersteinen. Jedoch legte sich dieses Problem nach einer kurzen Gewöhnungsphase.

Die Reaktionen der Mitmenschen waren äußerst positiv, da sie aufmerksam wirkten. Zum Beispiel wurde einem im Supermarkt oder auch im Aufzug geholfen.

Auch diejenigen, die nicht im Rollstuhl saßen und die anderen begleiteten, hatten das Empfinden sozialer engagiert und aufmerksamer zu erscheinen, weil sie direkt eine gewisse Verantwortung für andere übernehmen. Außerdem ist es erleichternd zu sehen, dass andere ebenfalls helfen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es ein wirklich lehrreiches Projekt ist, welches das achtsame Umgehen mit Rollstuhlfahrer*innen prägt. Daher kann man es auf jeden Fall weiterempfehlen. Wir haben gelernt, wofür wir gearbeitet haben, für wen wir kartografiert haben.

Emma Filip, 10 F, m.filip-filip@t-online.de

 

Bericht Nr. 5

Rollifahrerin für einen Tag

Wir als 10. Klasse der Hohen Landesschule Hanau haben das Angebot bekommen am Mittwoch, den 22.05.2019 in der Hanauer Innenstadt als Rollstuhlfahrer Aufgaben zu erledigen.

 

Dieses Projekt war wesentlich interessanter und lehrreicher, als wir vermutet hatten. Wir konnten sowohl positive als auch negative Erfahrungen sammeln.

 

Unser Arbeitsauftrag lautete: „In der Fußgängerzone einen Laden mit einer Stufe suchen und versuchen, dort reinzukommen. Dann zu Peek & Cloppenburg, testen wie gut man an die Auslagen kommt. Unterwegs schauen, wie viele Geschäfte Stufen haben.“

 

Wir gingen optimistisch an diese Aufgabe heran, mussten aber bemerken, dass einige Gänge des Geschäfts für Rollstuhlfahrer einfach zu eng waren.

Auch das Besteigen von Stufen birgt Hindernisse. Man ist bei jeder Stufe auf eine Person angewiesen, die auch die nötige Kraft hat, um den Rollstuhl ein paar Zentimeter hochzuziehen.

 

Perspektivwechsel auf dem Marktplatz: zwei junge Schülerinnen fahren im Rollstuhl über den Wochenmarkt in Hanau.

Perspektivwechsel auf dem Marktplatz

Während wir die Straße entlangfuhren, bemerkten wir, wie anstrengend das Rollstuhlfahren für Rollstuhlanfänger ist. Nach nur einer kurzen Strecke mussten wir eine Pause einlegen.

Wir haben ebenfalls eine kleine Tour über den Hanauer Wochenmarkt gemacht, welcher an diesem Tag, wie jeden Mittwoch, auf dem Marktplatz stattfand.

Mir ist positiv aufgefallen, dass die meisten Personen einem Platz machen und man sich nicht durchdrängen oder lange warten muss.

 

Als negativ empfand ich die vielen Blicke der Mitmenschen, als ob sie nie einen Rollstuhlfahrer gesehen hätten, sowie einige wenige genervte Blicke von gestressten und gehetzten Passanten.

 

Im Allgemeinen kann ich noch sagen, dass es mir relativ leicht gefallen ist zu lernen, wie man die Richtung steuert und fährt.

Es war allerdings ärgerlich, dass der Zugang zu einigen Lokalen und Geschäften aufgrund der nichtrollstuhlgerechten Eingänge und / oder der Gänge innerhalb des Gebäudes nicht möglich gewesen ist.

 

Dieses Projekt war eine sehr interessante und bereichernde Erfahrung. Mit dem neuen Wissen kann ich mich besser in Rollstuhlfahrer*innen hineinversetzen und mit ihnen umgehen. Außerdem hat es Spaß gemacht sich mal anders fortzubewegen als zu Fuß.

Safa Shagely, 10F, shaghelysafa@gmail.com

 

Wir danken allen Schüler*innen der HOLA, dass sie sich auf diesen Perspektivwechsel eingelassen haben und ihre Erfahrungen so realistisch dargestellt haben. Wir haben hier alle entsprechenden Berichte aufgeführt, da wir nicht entscheiden konnten und wollten bestimmte weg zu lassen.

Wenn auch Sie in Ihrer Schule oder an Ihrem Arbeitsplatz gerne einen Perspektivwechsel durchführen möchten, dann kontaktieren Sie uns gerne direkt.

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