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Mobilität – Geht es auch ohne Autos?

Mobilität – Geht es auch ohne Autos?

Auf einem großen Platz sind im Hintergrund verschiedene Menschen zu sehen. Im Vordergrund sitzt eine Person und spielt Gitarre.

Diskussions-RAUM zum Thema Mobilität in Hanau

Unserem Verein liegt das Thema Mobilität in Hanau sehr am Herzen. Deshalb verfolgen wir die Entwicklungen dazu sehr genau und machen uns Gedanken dazu. Im Diskussions-RAUM im April wollten wir eure Stimmen hören. Was wünscht ihr euch und woran sollte die Stadt denken, wenn es an die Umsetzung geht? Fragen zur Barrierefreiheit oder zum Ausbau des Fuß- und Radverkehrs waren ein Schwerpunkt, aber vor allem die Frage: Wie viele Autos wollen und brauchen wir in Zukunft noch?

Mobilität der Zukunft

Die Stadt Hanau erarbeitet aktuell ein Mobilitätsleitbild. Darin werden Leitlinien formuliert, wohin sich unsere Stadt und die Art, wie wir uns als Bürger:innen in ihr bewegen, entwickeln sollen. In sogenannten Stadtforen können sich Bürger:innen informieren und Fragen stellen. Inwieweit diese Form der Partizipation Früchte tragen wird, bleibt abzusehen.

Die Leitlinien und groben Zielsetzungen für die Mobilität sehen zunächst vielfältig aus und scheinen verschiedene Lebensbereiche zu berücksichtigen. Uns ist in der Runde jedoch aufgefallen, dass einige Ziele in der Umsetzung in Konflikt geraten können. Wie sollen z.B. Alternativen zum Autoverkehr ausgebaut und Aufenthaltsqualitäten in der Stadt gesteigert werden, ohne den Individual-Verkehr enorm einzuschränken? Da wünschen wir uns mehr Klarheit und messbare Ziele.

Wie bewegen wir uns in der Innenstadt in 10 Jahren?

In einem kleinen Gedankenexperiment sollten sich alle in der Runde vorstellen, wie sie sich in der Zukunft in der Innenstadt bewegen wollen. Wie soll die Stadt Hanau für uns aussehen?

Das waren unsere Gedanken:

  • Alle Verkehrsteilnehmende sind gleichberechtigt
  • Direktere und bessere Wege für Fahrrad + Fuß-/Rollverkehr
  • Kostenloser ÖPNV in Innenstadt und näherer Umgebung
  • Optimierter Busverkehr
  • Weniger Stress, mehr Sicherheit beim Radfahren
  • Echte Aufenthaltsqualität, Lust zum Verweilen
  • Mehr Car- und Rad-Sharing
  • Separate Busspuren – Verkehr nebeneinander
  • Auto-Zugang nur wo es notwendig ist, z. B. für Familien / Menschen mit Behinderung
  • Kleine E-Busse alle 10 Minuten (6 Personen), die in die Innenstadt und wieder raus bringen
  • Weniger private PKW (2 pro Haushalt als Ausnahme)
  • Einfachere Nutzung für Busfahrende (niedrigschwellig)
  • Genug Platz auch nebeneinander laufen zu können
  • Wieder eine Straßenbahn in Hanau
  • Mehr Möglichkeiten, das Auto bezahlbar in Parkhäusern zu parken
Eine belebte Straße ist zu sehen. Alles ist verschwommen, bis auf einen Mann, der auf einem Fahrrad fährt. Es gibt eine eigene Fahrradspur parallel zu den Autos.

Was müssen wir heute schon entscheiden?

Aktuell ist der Autoverkehr überall sehr dominant und stellt teilweise für andere Verkehrsteilnehmende sogar ein Sicherheitsrisiko dar. Wenn es also ein klares Ziel gibt, den individuellen Autogebrauch zu reduzieren, braucht es bereits jetzt positive Anreize und gute Alternativen. Solange das Autofahren schneller, günstiger und bequemer ist, wird ein Umdenken scheitern. Die Diskussions-Runde nannte aber einige Beispiele, in denen eine Mobilitäts-Wende erfolgreich umgesetzt wurde (Bsp. Niederlande). Das zeigt, dass es möglich ist.

Wie schaffen wir ein Umdenken?

Wir haben mit den Teilnehmenden überlegt, was Anreize geben könnte, auf das eigene Auto zu verzichten. Es gibt schließlich sehr unterschiedliche Gründe, warum Menschen mit dem Auto fahren oder sogar darauf angewiesen sind, um mobil zu sein. Da aber vor allem parkende Autos ein Problem darstellen, haben wir unterschiedliche Lösungsansätze besprochen:

  • Vergünstigungen für alternative Verkehrsmittel z.B. über Subventionen für Fahrrad-Nutzung, Treuepunkte für den RMV etc. Die Alternativen zum Auto müssen mehr Vorteile haben.
  • Für Berufspendler können Angebote geschaffen werden, die es möglich machen, Außerhalb Parkhäuser zu nutzen, und mit ÖPNV in die Stadt zu fahren. Dafür muss ÖPNV verbessert werden. Bei einem ÖPNV-Netz, wie in Frankfurt, braucht es kein eigenes Auto.
  • Parkplätze nicht direkt vor der Wohnung, sondern Stellplätze eher für Fahrräder etc. Bequemlichkeit für Fahrräder oder Alternativen steigern
  • Raum von Autos reduzieren. Mehr Fahrradstraßen, weniger Parkflächen – dabei aber auf Sicherheit achten (z. B. durch Steine getrennte Fahrbahnen), mehr Einbahnstraßen, nur auf einer Seite parken etc.
  • Car-Sharing. Muss erst attraktiver und im Verhältnis günstiger werden. Auch mehr Kommunikation ist gefragt.
  • Höhere Steuern für Autos. Darf Geringverdienende nicht benachteiligen
  • E-Bike-Sharing. Muss auch für jüngere niedrigschwellig nutzbar sein (teilweise benötigt man Führerschein / Kreditkarte für die Nutzung)
  • Für Alternativen Sensibilisieren. Ich muss wissen, warum es für mich von Vorteil ist mit Bus- und Bahn oder mit dem Fahrrad zu fahren.

Ein Umdenken braucht eine Kombination aus positiven Anreizen und Einschränkungen. Was dabei aber nicht vergessen werden darf sind Menschen, deren Mobilität eingeschränkt ist. Diese Gruppen müssen auch weiterhin die Möglichkeit haben, in die Innenstadt zu kommen und sich darin flexibel zu bewegen. Eine angemessene und bequeme Alternative zum Auto zu schaffen, ist Aufgabe derjenigen, die in diesem Prozess die Entscheidungen treffen. Die Politiker:innen sind also auf den Austausch angewiesen, damit alle Bedürfnisse gehört und berücksichtig werden können.

Wir sehen eine breite Straße, auf der eine Frau im Rollstuhl und ein Mann der mit Langstock geht, nebeneinander Platz haben. Links und Rechts sind Bäume oder Fahrradstellplätze.

Was sollte sich beim Rad-Verkehr verändern?

Es reicht natürlich nicht, nur das Autofahren unattraktiv zu machen. Diese Prozesse müssen ganzheitlich gedacht und umgesetzt werden. Wenn z. B. direkt Parkplätze verschwinden und Zugänge für Autos versperrt sind und ich keine Alternative bekomme, weckt das nur Unmut aber kein Umdenken. Der Umstieg auf das Fahrrad ist für viele eine denkbare Alternative. Damit diese aber mehr genutzt wird, haben wir Überlegungen ausgetauscht, was dafür verbessert werden müsste:

  • Breitere und sichere Wege
  • Parallele Straßen, um Fußgänger und Rollstuhlfahrende zu schützen
  • Durchgehende Fahrradschnellstraßen
  • Durchgehende und gute Fahrradwege
  • Direkte Wege, um schnell ans Ziel zu kommen
  • Wegketten mitdenken (Wechsel-Mobilität: Fahrrad – ÖPNV)
  • Bessere Möglichkeiten, das Fahrrad abzustellen / wegzuschließen (Fahrradparken)
  • Steigerung von Pedelecs auch für längere Strecken ermöglichen

Für Fahrradfahrende gibt es aktuell gerade in Hanau viele Hindernisse und Unsicherheiten. Diese Hindernisse müssen erst abgebaut werden, damit mehr Menschen auf das Fahrrad umsteigen. Dafür braucht es Bildungs- und Aufklärungsarbeit und eine offene Kommunikation. Für viele bedeutet eine Umstellung auch, dass neue Routinen gelernt werden müssen. Wie komme ich mit dem Fahrrad an mein Ziel, wo sind sichere Wege, wo stelle ich mein Fahrrad ab, wie kann ich mein Fahrrad mitnehmen, wenn ich auch ÖPNV nutzen muss. Jede dieser Fragen, steigert die Hemmschwelle, die schließlich dazu führt, dass wir, wenn es schnell gehen muss, doch lieber mit dem Auto fahren.

Bei der Trennung der einzelnen Verkehrsteilnehmenden ist Sicherheit ein wichtiger Faktor. Menschen mit Sehbehinderung benötigen z. B. mehr als einen Streifen, der schlecht erkennbar ist. Bei barrieresensiblen Stadtrundgängen machen wir als Verein unter anderem auf dieses Thema aufmerksam.  

Auf einem mit vielen Menschen belebten Platz spielt eine Person auf einem Klavier.

Lebendige Innenstädte

Gerade unsere Innenstadt sollte eine hohe Aufenthaltsqualität haben. Um lebendige Innenstädte zu schaffen, muss ich Lust darauf bekommen, mich dort aufzuhalten. Es ist eine Entwicklung des 20. Jahrhunderts, dass dem Autoverkehr im öffentlichen Raum soviel Platz eingeräumt wurde. Wir können also mit einer klaren Planung wieder dahin zurückkommen, dass zumindest in den Innenstädten die direkten Wege zu Laufwegen werden. Wir können Straßen zu Flanierwegen umwidmen.

Im Mobilitätsleitbild geht es bisher mehr darum den bestehenden und zukünftigen Verkehr zu verteilen, anstatt ihn zu reduzieren. Ob das zielführend ist, muss an anderer Stelle weiter diskutiert werden. Was aber immer im Zentrum dieses Prozesses stehen sollte, sind unsere Bedürfnisse.

Was wünschen wir uns als Bürger:innen für den zukünftigen Austausch:

  • Überprüfbare Ziele – kontinuierliche Anpassung
  • Mehr Menschen sensibilisieren und motivieren, sich einzubringen
  • Inklusion als Priorität (mit durchgängigen Konzepten)
  • Mehr über starke Bilder arbeiten (wie soll unser Hanau aussehen?)

Fazit

Die Bedürfnisse der Hanauer Bürger:innen sind sehr vielfältig und alle gleichermaßen zu bedienen wird eine Herausforderung. Es braucht daher gerade in den Entscheidungs-Gremien vielfältige Teams, die unterschiedliche Perspektiven mit an den Tisch bringen.

Das Mobilitätsleitbild der Stadt Hanau führt alle wichtigen Elemente auf, die eine zukunftsfähige Stadtentwicklung theoretisch bräuchte. Was darin aber noch nicht auftaucht, ist die Zusammensetzung und Gewichtung dieser Elemente. Es braucht klar formulierte, messbare Ziele, an denen alle Bürger:innen nachvollziehen können, ob diese auch eingehalten werden.

LINKS:

Umfrage Fuß und Radverkehr https://www.menti.com/pwk873vmc9/0

https://www.fuss-ev.de/mobilitaet/starker-fussverkehr

Podiumsdiskussion Mobilitätswende

Kostenloser ÖPNV an Samstagen

Kostenloser ÖPNV Teil 2

Mobilitätsleitbild Rad- und Fußverkehr

 
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