post-title Diskussions-RAUM “Nur mal kurz den Wald retten …” von Karl-Heinz Leister

Diskussions-RAUM “Nur mal kurz den Wald retten …” von Karl-Heinz Leister

Diskussions-RAUM “Nur mal kurz den Wald retten …” von Karl-Heinz Leister

Wald im Klimawandel

Am 21.11.2019 fand als Fortsetzung der Veranstaltung „Demokratie RAUM“ der erste „Diskussions-RAUM“ im Ellis Café und Bistro in der Johanneskirche in Hanau statt.

Thema: „Nur mal kurz den Wald retten“

Der Abend wurde vom Dr. Dieter Müller, Leiter des Forstamts Wolfgang a. D., moderiert. Es wurde lebhaft und interessiert diskutiert. Die Beiträge lassen sich in etwa wie folgt zusammenfassen:

Trockene Jahre sind keine neue Erscheinung. Es gab sie unregelmäßig bereits in der Vergangenheit. Neu ist aber, dass mehrer trockene Jahre auf einander folgen. Es gibt keine Erholungspausen für den Wald.

Dieter Müller liest aus einem Buch vor.

Dieter Müller liest aus einem Buch vor.

Trockene und heiße Sommer „stressen“ und  schwächen den Wald. Als Sekundärschäden kommen Schädlinge, wie baumschädigende Insekten, Pilze und Feuer hinzu.

Die Politik meint durch Aktionismus mit viel Geld eingreifen zu müssen, weil sie kurzfristig etwas vorzeigen will. Das Pflanzen von Millionen neuer Bäume, so gut sich das für uns Städter anhören mag, ist forstwirtschaftlich nicht realisierbar. Es gibt nicht genügend junge Bäume zum Pflanzen und auch nicht genügend erfahrene Waldarbeiter, die die jungen Bäume in die Erde setzen.

Die Wachstumszyklen speziell im Wald sind andere als in der Politik:

Bei der Entwicklung des Waldes rechnet man in Jahrzehnten, während in der Politik der Horizont in der Regel bis zur nächsten Wahl reicht.

Entsprechend sind die Reaktionszeiten der Systeme: Der Wald passt sich über längere Zeiträume der Natur an; die Veränderung kann durch eine kluge Forstwirtschaft, die langfristig angelegt ist, unterstützt werden.

Wenn man der Interessengemeinschaft der Waldbauern folgen will, um diese vor dem Ruin zu bewahren, wäre es ehrlicher, diese über die schlechten Jahre zu subventionieren, statt jetzt aktionistisch große Summen zu investieren, die wahrscheinlich verloren sind.

Investiert werden sollte in eine nachhaltige Forstwirtschaft, die den Wald als

  • Wirtschaftsraum,
  • Erholungsgebiet für die Menschen,
  • Rückzugs- und Regenerationsgebiet für Flora und Fauna,
  • Kohlenstoffspeicher,
  • Frischluftlieferant
  • Reservoir für unser Trinkwasser

erhält und fördert, statt sich allein nach dem Profit aus dem verkauften Nutzholz zu orientieren.

Um dieses Vorgehen zu realisieren, sind verschiedene Maßnahmen notwendig:

  • Fachleute, also Förster, beobachten und dokumentieren den Wald und das Wetter
  • kurzfristig mehr Förster und Forstwirt/Waldarbeiter ausbilden und ihr Fachwissen entsprechend entlohnen
  • Erfahrungen und Forschungsergebnissen aus vergangenen Jahrzehnten einbeziehen
  • Aufforsten, basierend auf langjährigen Erfahrungen, und mit Pflanzen, die sich unserer Klimazone angepasst haben
  • die Säge-Industrie muss sich dem Produkt des Waldes anpassen und nicht umgekehrt

Die Diskutierenden waren sich einig, dass der Wald ein sehr vielschichtiges Sytem ist. Allein auf betriebswirtschaftliche Argumente der Holzwirtschaft beruhende Maßnahmen greifen viel zu kurz. Ein umfassender Maßnahmenkatalog müsste erarbeitet und angewandt werden.

… nur mal schnell den Wald retten wird nicht funktionieren.

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