post-title Diskussions-RAUM: Gedanken vorab zum Thema Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Diskussions-RAUM: Gedanken vorab zum Thema Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Diskussions-RAUM: Gedanken vorab zum Thema Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Unterschiedlichste Hände liegen auf einem Baumstamm

In unserem 4. Diskussions-RAUM digital gehen wir der Überlegung nach, ob es große Krisen braucht, damit in der Gesellschaft ein “Wir” gefühlt werden kann. Können WIR persönlich etwas tun, um bei uns und unserer unmittelbaren Umgebung die nachhaltigen sozialen Veränderungen aus diesen Krisen zu wahren.

Bis zum 19. Februar 2020 schien für die meisten von uns bei uns in Hanau die Welt in Ordnung zu sein.

Wir wähnten uns in einer pluralen Gesellschaft, in der jeder seine – auch extreme – Meinung äußern konnte und jeder sich in seinem Gesinnungskreis traf, ohne von anderen ernsthaft behelligt zu werden. Demonstrationen liefen weitgehen störungsfrei ab.

Und plötzlich, mit dem Abend des 19. Februar 2020 war alles anders. Neun junge Menschen wurden von einem rassistisch denkenden Mann ermordet, auch dessen Mutter. Er selbst nahm sich das Leben.

Die Hanauer Bürger nahmen in großer Zahl zusammen mit den politischen und religiösen Amtsträgern an den Trauer- und Beisetzungszeremonien teil und trauerten zusammen. Viele verweilten an den spontan entstandenen Gedenkstätten, schmückten sie und zeigten den Mitmenschen ihre Betroffenheit; es bildeten sich Initiativen der Solidarität mit den Opfern und ihren Angehörigen. Viele, die sich vorher nie begegneten, waren sich emotional sehr nah in dieser Zeit. Das zeigte sich durch die gemeinsam ertragene Ruhe, Blicke und den sorgsamen Umgang miteinander.

Dieses Verhalten setzte sich auch fort, als wir unmittelbar nach den Attentaten in die Corona-Krise versetzt wurden. Hanau war eine der ersten Städte, in denen der Oberbürgermeister zum Tragen von Mund- und Nasenschutz aufforderte; und die Bürger folgten aus Einsicht und aus Solidarität zu den Mitmenschen. Wieder begegnete man sich vorsichtig, sorgsam, mit freundlichem Blick und sorgendem Verhalten. Wieder kümmerten sich Einzelpersonen, Initiativen, Organisationen um Mitmenschen, die unter dieser Situation besonders leiden.

Es kam zu neuen Kontakten und interessanten Gesprächen, z.B. in Warteschlangen, in vermehrten Telefonaten und Videokonferenzen. Die Bürger zeigten großes Verständnis für die von der Verwaltung und dem Gesundheitswesen herausgegebenen Verordnungen und befolgten sie weitgehend. Die Städte wurden frei von Autoverkehr; es gab so gut wie keinen Flugverkehr, was sich positiv auf die Luftqualität in unserer Region auswirkte. Radfahren wurde so populär wie nie zuvor, sei es, um zum Arbeitsplatz oder Einkauf zu kommen, oder einfach nur als Freizeitbeschäftigung. Privatleute und Ämter versorgten bedürftige Menschen in jeder Hinsicht.

Wir wurden kreativ in der Gestaltung unserer neu gewonnenen freien Zeit. Es wurde klar, dass einiges anders organisiert werden kann (z.B. arbeiten von zu Hause) und Aktivitäten leicht auf ein notwendiges Mindestmaß (Einkäufe, Besuche in Kneipen und Restaurants) reduziert werden können. Das führte zu einem Gefühl der Entschleunigung.

Es wird offensichtlich, dass wir uns mehr um die Digitalisierung kümmern müssen, denn diese Technik ist inzwischen für die große Masse der Bevölkerung eine effiziente Möglichkeit, um Kontakte im Geschäfts- und Privatleben aufrechtzuhalten oder gar neu zu knüpfen.

Da stellt sich natürlich die Frage, warum wir das alles nur in einer solchen fundamentalen Krise schaffen.

  • Brauchen wir erschreckende Ereignisse (Todesfälle durch Mord oder Epidemie) in unserer unmittelbaren Umgebung, um wach zu werden und anders miteinander und mit unserer Umwelt umzugehen?
  • Braucht es die Einschränkungen des Lock-Down, um unsere Innenstädte vom dichten motorisierten Verkehr zu befreien, um zu erkennen, wie gut uns das tut?
  • Muss ein Mensch mit dunkler Hautfarbe vor laufenden Kameras sterben, damit wir wieder einmal auf das Problem des Rassismus aufmerksam werden?
  • Müssen hunderte Schlachthofarbeiter gefährlich erkranken oder gar sterben, um auf unser Fehlverhalten in der Ernährung aufmerksam zu machen?
  • Müssen alte Menschen in Pflegeheimen in großer Zahl sterben, um auf die Missstände dort und die schlechte Bezahlung der Pflegekräfte aufmerksam zu werden?
  • Muss der Unterricht für Monate ausfallen, bis man erkennt, dass es zu wenig Lehrkräfte gibt und diese mit neuen Unterrichtsmethoden (digitale Medien) nicht vorbereitet sind?

Diese Aufzählung könnte lange fortgesetzt werden.

Wir möchten  in unserer Diskussion herausarbeiten, was WIR persönlich tun können, um bei uns und unserer unmittelbaren Umgebung nachhaltige sozialen Veränderungen aus diesen Krisen zu wahren und wirklich zu einer neuen, aber positiven Normalität zu gelangen, wenn es je wieder eine Normalität gibt.

Gedanken – verfasst von Calle (Dr. Karl-Heinz Leister)

 

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