post-title Die Feuerwehr Hanau zu Besuch bei “Menschen in Hanau”

Die Feuerwehr Hanau zu Besuch bei “Menschen in Hanau”

Die Feuerwehr Hanau zu Besuch bei “Menschen in Hanau”

Telefonhörer mit der Notrufnummer 112 bei Feuer und im Notfall

Bei einem Treffen des Checker-Teams von „Menschen in Hanau“ im Dezember 2018 in lockerer Runde bei Kaffee und Kuchen erzählte Rita uns eine Geschichte, die für Gänsehaut bei allen sorgt. Was war passiert?

Die Pfanne mit Öl auf dem Herd war in Brand geraten! Sie war alleine zu Hause. Dadurch, dass sie im Rollstuhl sitzt, beeinträchtigt im Handeln. Vorweg gesagt, es ist gut ausgegangen. Aber wie soll sich ein Mensch mit Beeinträchtigung in einem solchen Fall richtig verhalten, welche Hilfsmittel gibt es? Fragen über Fragen…

Und wie es bei Menschen in Hanau so ist, es wird gehandelt! Ein Anruf bei der Feuerwehr Hanau und zwei Telefonate später fand am 23. Januar 2019 das erste Treffen statt.

Karlheinz erzählte gleich am Anfang unseres Treffens, dass seine Motivation, sich intensiv mit dem Thema Menschen mit Behinderung und Brandfall zu beschäftigen, aus dem privaten Umfeld kam …

Seine Schwägerin wurde durch MS (Multiple Sklerose) immobil. Sie lebte in einem Obergeschoss und hatte danach Angst, was mit ihr in einem Brandfall passiert. So fing alles an.

Karlheinz begann zu recherchieren und überlegen, was getan werden kann. Mittlerweile ist es ein großes „Geschäftsfeld“ und es gibt viele Geräte, um Menschen mit Gehbehinderungen in Sicherheit zu bringen.

Hanau wurde Vorreiter in diesem Bereich.

Es gibt zum Beispiel ein Hub-Rettungsfahrzeug (37 m hoch), der 1 Rollstuhlfahrer retten kann (Korb für 5 stehende Menschen) mit den Sicherheitshalterungen. Der Korb ist bis zu 450 kg belastbar. Schwere E-Rollis wurden bereits damit „transportiert“ / gerettet.

Und schon waren wir mitten drin und haben viel fragen dürfen.

Wir haben erfahren:

Die Notruf Nummer ist die 112

Sie gilt Europaweit – auch beim Mobil-Telefon funktioniert diese Nummer ohne Vorwahl.

Es gibt 5-W-Fragen, die ganz wichtig sind:

  • Wo ist der Notfall?
  • Was ist passiert?
  • Wie viel Personen sind betroffen?
  • Welche Verletzungen liegen vor?
  • Warten auf Rückfragen (ganz wichtig! – falls man in der Aufregung etwas vergisst)

Evakuierungs-Aufzug – Was ist das denn?

Diese Aufzüge haben eine besondere Steuerung. Er darf nirgends halten, fährt in einem Brandfall nur ins Erdgeschoss. Der Aufzug ist nur für diesen Zweck – die Evakuierung – vorgesehen und muss rauchfrei gehalten werden.

Das ist nicht so einfach.

Deswegen gibt es im Schacht eine spezielle Entrauchungsanlage. Auch ein extra Not-Strom-Kreislauf ist vorhanden.

Hinweisschild Evakuierungsaufzug; Rechts ist ein Rollstuhlfahrer dargestellt. Ein Pfeil zeigt von ihm nach links zu einem Aufzug.

Er ist besonders gekennzeichnet.

Kostet etwa 3x so viel, wie ein „normaler“ Fahrstuhl. Diese speziellen Fahrstühle gibt es normalerweise „nur“ in Hochhäusern.

Falls es einen gibt, weisen die Flucht- und Rettungsschilder auf den Aufzug hin.

Wie schnell kann man ohnmächtig werden?

Nach 10 Sekunden in einem dicken Brandrauch wird man ohnmächtig. Nach 2 Minuten wäre man tot.

Im Brandfall im Gebäude bleiben – ist das möglich?

Man muss im Brandfall nicht unbedingt aus der Wohnung. Es kann unter Umständen sicherer sein, in einem Raum am geöffneten Fenster zu bleiben.

Die Krankenhäuser z.B. haben viele Techniken, die Rauch und Feuer in kleinen Bereichen belassen, es reicht dann also, wenn man in einen anderen sicheren Bereich geht.
Pro Etage gibt es manchmal 2 Bereiche, die voneinander zum Beispiel durch Türen getrennt werden. So kann man auf der jeweils anderen Seite sicher sein.

Woher weiß die Feuerwehr, ob sich jemand mit Rollstuhl im Gebäude befindet?

Wenn man die Feuerwehr ruft, geht der Ruf in die Rettungsleitstelle nach Gelnhausen. Die ist für alle Notrufe aus dem gesamten Main-Kinzig-Kreis zuständig.

Beim Absetzen des Anrufs sollten folgende Angaben zusätzlich durchgegeben werden:

  • Genaue Adresse mit Etage / Zugang
  • Angaben zum Handicap

Rauchmelder

Wie lange eine Batterie im Rauchmelder betrieben werden darf, steht im Beipackzettel der Rauchmelder. Es gibt welche, deren Batterien 10 Jahre halten. Danach müssen die Rauchmelder meist sowieso ausgetauscht werden.

Ausmachen: Rückstellknopf am Rauchmelder, Hilfsmittel ein Besenstil

Rauchmelder sollen einen Brand früh erkennen, er kann auch durch Wasserdampf ausgelöst werden. Auch wenn man ihn von der Decke abnimmt, funktioniert er noch weiter. So lange sich der Rauchmelder noch im Rauch befindet piepst er weiter. EIn Rauchmelder kann auch durch Staub auslösen, es reicht ein Staubpartikel …passiert nach Hausputz, meist in der Nacht.

Rauchmelder

Es gibt Schlitze im Rauchmelder, dort sollte man das Staubsaugerrohr dranhalten, das saugt den Staub heraus.

Ausstellen = Knopf solange drücken, bis der Ton aufhört oder Batterie herausnehmen (in den 10-Jahres Rauchmeldern ist die Batterie meist nicht zum rausnehmen).

Eine Wartung sollte regelmäßig, 1 mal im Jahr stattfinden, eine Auslösung des Rauchmelders durch drücken des Auslöseknopfes, sollte einmal im Monat durchgeführt werden. Man sollte auf den Auslöseknopf drücken bis er piepst und schauen, ob er noch geht oder ihn mit Rauchspray testen.

Gesetzlich sind Rauchmelder seit 1.1.2015 in Hessen, in allen Kinder- und Schlafzimmer und in den Fluren gefordert. Vermieter sind für das Aufhängen und eine regelmäßige Wartung zuständig, Haus- und Wohnungseigentümer sind hier eigenverantwortlich (Wichtig, den Beipack-Zettel lesen).

Fall-Beispiel

Rollstuhl-Brand: es gibt Feuerlöscher, in der Größe einer Spray-Dose. Sie sind gesichert.

Feuerlöscher

Welche Brandklassen gibt es und wann ist z.B. ein Feuerlöscher für einen Fett-Brand in der Küche geeignet.

Brandklasse A: Brände fester Stoffe, hauptsächlich organischer Natur, die normalerweise unter Glutbildung verbrennen z.B. Holz, Papier, Stroh, Textilien, Kohle, Autoreifen

Sieben verschieden Feuerlöscher

Brandklasse B: Brände von flüssigen oder flüssig werdenden Stoffen z.B. Benzin, Benzol, Öle, Lacke, Teer, Äther, Alkohol, Stearin, Paraffin

Brandklasse C: Brände von Gasen z.B. Methan, Propan, Wasserstoff, Acetylen, Erdgas, Stadtgas

Brandklasse D: Brände von Metallen z.B. Aluminium, Magnesium, Lithium, Natrium, Kalium und deren Legierungen

Brandklasse F: Brände von Speiseölen bzw. Speisefetten in Frittier- oder Fettbackgeräten oder anderen Küchengeräten bzw. Kücheneinrichtungen

Ein Feuerlöscher muss alle 2 Jahre gewartet werden

Karlheinz hat uns von der Löschdose erzählt. Sie ist sehr leicht und kann sofort zum Einsatz kommen. Dadurch, dass die Dose so leicht ist, kann sie gut im Sitzen bedient werden.

So könnte ein Brand während der Entstehungsphase gelöscht werden.

TIPP:
Beim Kauf der Dosen nach dem Ablauf-Datum schauen. Denn, wenn sie abgelaufen sind, müssen sie als Sondermüll entsorgt werden.

Was wäre wenn …

Rita erzählt, dass ihre Pfanne mit Öl auf der Herdplatte in Brand geriet.

… was nun?

Nur kein Wasser ins heiße Fett.

Tuch von oben drauf werfen …

GUT:
Die beste Lösung für so einen Fall ist:

  • ein passender Deckel für die Pfanne oder einen größeren Deckel.
    Er kann seitlich darauf geschoben werden.
  • oder Backblech
  • eine Glasplatte
  • eine Metallplatte

So wird dem Feuer der Sauerstoff genommen und das Feuer ist aus.

Unbedingt drauf lassen, bis das Fett abgekühlt ist.

  • Oder wenn man einen Feuerlöscher (Brandklasse F) hat, dann von oben mit Abstand, da sonst das Fett herausgeschleudert werden könnte. Bei einer kleinen Feuerlöschspraydose sollte man maximal 1 m entfernt sein.

Auch bei einer Fritteuse funktioniert es so.

NICHT:
Mit einer Löschdecke sollten keine Öle und Fetten gelöscht werden.

Marianne hatte auch eine Frage: „Was muss ich machen, wenn das Feuer in einer höheren Etage ist?”

Wir überlegten diese Möglichkeiten:

Wenn es in meiner Wohnung brennt, sollte ich sie verlassen.

Aber wenn es woanders brennt, kann die eigene Wohnung auch Schutz bedeuten, wenn mein Fluchtweg verraucht ist.

Eine Frau steht am offenen Fenster und winkt um auf sich aufmerksam zu machen. Rechts im Bild ein Feuerlöscher

Vorsorge

Karlheinz und Sebastian sind überzeugt, dass wiederkehrende Schulungen helfen, sich im Brandfall richtig zu verhalten.
Davon sind wir auch überzeugt und freuten uns sehr, dass wir weitere Treffen mit den beiden haben werden.

Mitgebracht haben die beiden auch noch was. Eine Broschüre mit dem Namen „kleine Katastrophen“. Dort findet man nochmals viele hilfreiche Tipps.

Wir treffen uns im Mai wieder mit der Feuerwehr Hanau und freuen uns schon auf die weiteren Themen, wie zum Beispiel:

  • Was versteht man unter einem Entstehungsbrand?
  • Welche Decken sollte man nicht nutzen, was gibt es noch für Methoden bei der Ersthilfe?
  • Was machen wir im Wald bei einem Brand?
  • Die SOS-Dose – warum sollte sie jeder haben?
  • Wie kann die Wohnung gut auf die unterschiedlichen Bedürfnisse ausgerichtet werden? Wie unterstützen die Krankenkassen dabei?
  • Welche Zeichen sollten wir kennen?

Gerne möchten wir “Menschen in Hanau” eine Aktion bei der Feuerwehr vor Ort machen … im Sommer dann, wenn die Temperaturen für uns alle angenehmer sind.

Da lernen wir den Evakuierungsstuhl kennen, die Fluchthaube und die Drehleiter …

Hintergrund-Informationen
Sebastian Mathuschik (vorbeugender Brandschutz / Brandschutz-Erziehung, ehrenamtlich bei der Jugend-Feuerwehr)

Karlheinz Ladwig (Erfahrung im Bereich des vorbeugenden Brandschutzes, Fach-Ausschüsse, Experte für Behinderte / Behindertenverbände im deutschen Feuerwehr-Verband) 

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