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“Danke” sagen

“Danke” sagen

Ein Rapsfeld von unten mit blauem Himmel und Sommersonne im Hintergrund

Pfleger*innen, Supermarktkassierer*innen, Polizist*innen, Politiker*innen, Busfahrer*innen – ihnen allen gilt unser Dank. Das ist eine gute Gelegenheit, um über das “Danke” sagen, Gemeinschaftssinn und Freundschaften nachzudenken.

„So, jetzt haben wir alle.” Susanne tritt zurück und Jürgen fotografiert. Die beiden stehen vor ihrem kleinen Schilderwald. Es sind Holzpflöcke mit kleinen Tafeln. Sie stecken auf einer kleinen Lichtung im Wald.

Etwa 20 kniehohe Pappschilder stecken auf einer Waldlichtung. Auf den Schildern stehen Vornamen und "Danke für euren Einsatz".

“Was machen Sie denn?”, fragt eine Passantin neugierig. “Das sind die Namen von Mitarbeitern eines Seniorenheims hier in Hanau. Wir möchten ihnen danken und ihnen Mut machen, damit sie durchhalten. Ihre Arbeit ist so wichtig für uns alle.”

Auf dem Plakat kleben Bilder oben von Superhelden der Kindheit. Darunter stehen die Vornamen der Pfleger*innen und "Die wahren Superhelden seid ihr."

Das Plakat der Mutter mit ihren Kindern

Nicht nur das Ehepaar macht ein Plakat dieser Art. Auch einige ihrer Nachbarn beteiligen sich an der Aktion. Es werden kleine Figuren gehäkelt, Plakate liebevoll von Hand gestaltet oder gekonnt am Computer erstellt. Für einige von ihnen ist es eine willkommene Beschäftigung für die viele Zeit daheim. Besonders eine Mutter ist froh über die Aufgabe, denn ihre Kinder können fleißig mithelfen.

Sie alle sind Nachbarn. Sie wohnen in der Julius-Leber-Straße und dem umliegenden Viertel. Normalerweise ist “Wir sind die Nachbarn” eine lose Gemeischaft. Man kennt sich, man trifft sich, man hilft sich. Jeder aus der Umgebung ist willkommen. Wer dabei sein möchte, ist dabei.

Doch die Coronazeit schweißt sie alle noch enger zusammen. Die patente Truppe hat schon Schutzvisiere für die Hanauer Krankenhäuser hergestellt. Seit dem 17. März kommen sie jeden Abend um 21 Uhr an ihre Fenster oder Balkone. Dort klatschen sie für Pfleger*innen, Ärzt*innen, Angestellte im Supermarkt, Politiker*innen und alle anderen wichtigen Berufe. Mit einem Trick können sie sogar einen Kaffeeklatsch machen und dabei die Hygieneregeln einhalten.

Auf dem Plakat stehen die Namen der Pfleger*innen und "Wir haben alle so ein Glück, dass ihr da seid." Dabei liegen ein gehäkelter Glückspilz und eine Pflegerin.

Die Plakate sind eine weitere Aktion der Gemeinschaft. Angestoßen wurde sie von Gisela Kuchler. Sie ist eine Anwohnerin und arbeitet in einem Seniorenheim. “Ich dachte, meine Kolleg*innen können eine Aufmunterung gebrauchen”, sagt sie. “Zum Glück habe ich so kreative Nachbarn.”

Immer wieder gibt es kritische Stimmen. Sie sagen, dass Kassierer*innen und Pfleger*innen keine Plakate und Klatschen zum Dank brauchen. Ein besserer Lohn sei viel wichtiger. Das ist auf jeden Fall richtig. Ich sage trotzdem weiterhin “Danke”.

Denn erstens denke ich: Klatschen und Plakate malen könnten ein Anfang sein. Mit jedem Abend klatschen machen wir klar, dass wir die Arbeit von systemrelevanten Berufen schätzen. Mit jedem einzelnen Plakat zeigen wir, dass uns die Arbeit von Pfleger*innen wichtig ist. So steigt das gesellschaftliche Ansehen der Berufe. Ein hoch angesehener Beruf wird besser bezahlt. Wenn jeder einzelne von uns seine Anerkennung zeigt, könnte das zu einer Lohnerhöhung beitragen.

Am unteren Bildrand sieht man die gezeichnete Silhouette von Hanau. Im Sonnenuntergang darüber viele Sprechblasen, die jedem Angestellten mit Namen danken.

Zweitens zeigt mir die Corona-Pandemie, wie wichtig eine Gemeinschaft ist. Nur wir alle zusammen können das Virus eindämmen. Die Kontaktsperre kann nur Erfolg haben, wenn alle mitmachen. Ich merke, wie sehr ich meine Freunde und Bekannte vermisse. Freundschaft und Zusammenhalt – das sind zwei Werte, die eine Gemeinschaft zusammenhalten. Während der Coronazeit entdecke ich sie wieder. Auch “Danke” sagen hält eine Gemeinschaft zusammen. Deshalb bedanke ich mich weiterhin.

Freundschaft, “Danke” sagen, Zusammenhalt – ich wünsche mir, dass solche Dinge den überhöhten Stellenwert von materiellen Dingen mindern. In einer Welt nach Corona sollte die Lebensqualität auch an diesen Werten gemessen werden.

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Super Idee. Regt an zum Nachahmen!

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