standard-title Sehbehinderung

Sehbehinderung

Sylvia Schäfer schaut sich an einem Monitor einen stark vergrößerten Text eines Dokuments an.

Stellen Sie sich vor, Sie verlieren Ihr Augenlicht… – von Silvia Schäfer

Wie sind Ihre ersten Reaktionen, Befürchtungen, Fragen? Vielleicht – Kann ich weiterhin berufstätig sein? Wie kann ich meinen Haushalt führen? Bin ich noch mobil? Was ändert sich bei meinen Hobbys? Macht Reisen überhaupt noch Sinn? Kann ich noch einen PC bedienen? Wie ist es mit Lesen von Zeitung, Büchern und der täglichen Post?

Hier einige Antworten:

Berufstätigkeit – Es gibt viele Berufe, die ein Sehbehinderter oder Blinder ausüben kann. Dazu gehören Berufe aus dem EDV-Bereich, aber auch Physiotherapie, Psychologie oder juristische Berufe.

Übt man bereits einen Beruf aus, wird versucht, die bisherige Tätigkeit mit Hilfe geeigneter Hilfsmittel zu erhalten. Dies kann zum Beispiel die Ausstattung des PCs mit einer Vergrößerungs- und Sprach-Software sein.

Ist das nicht möglich, wird geprüft, ob man im gleichen Betrieb an einer anderen Stelle eingesetzt werden kann. Wenn das alles nicht geht, hat man Anspruch auf Umschulung zu einem geeigneten Beruf – vorausgesetzt, man ist noch nicht zu alt.

Haushalt – Hier gibt es viele Tricks und Helfer, die uns ermöglichen, weiterhin zu kochen, bügeln und putzen. Es gibt sprechende Haushaltsgeräte und an viele Geräte können ohne großen Aufwand Markierungspunkte angebracht werden. Sie erleichtern die Orientierung. Den Umgang damit lernt man in einem Kurs mit dem Namen „lebenspraktische Fähigkeiten“. Putzen ist ebenfalls möglich. Es kann allerdings nicht schaden, wenn man sich zusätzlich eine Putzhilfe organisiert.

Mobilität – Leider kann man als Blinder/Sehbehinderter nicht Auto fahren! Aber es gibt ja den öffentlichen Verkehr und Taxen. Je zentraler man wohnt, umso besser. Wohnt man in ländlicher Gegend, ist es mit Bus und Bahn nicht weit her und man ist eher von anderen abhängig. Zum Erhalt der Selbstständigkeit ist hier dringend ein sogenanntes „Orientierungs- und Mobilitätstraining anzuraten.

Hobbys – Es gibt natürlich Hobbys, die man bei Sehverlust aufgeben muss. Das tut weh, aber es gibt anderes, was möglich ist. Wenn eine Begleitperson mitmacht, kann man durchaus joggen, schwimmen, reiten oder Ski-Langlaufen. Radfahrer können mit einem sehenden Partner auf Tandem umsteigen. Es gibt spezielle Ball-Sportarten für Blinde wie Torball, Blinden-Fußball oder Showdown und sogar Blindentennis. Hier wird mit Bällen gespielt, die akustisch wahrnehmbar sind, und es ist ein sehender Schiedsrichter dabei, der Anweisungen gibt.

Reisen – Geht wunderbar! Es muss nur gut organisiert werden. Hat man eine Person dabei, die gut erklären kann, was es ringsum zu sehen gibt, ist das sehr wertvoll. Für Alleinreisende gibt es Reiseunternehmen, die spezielle Gruppen-Reisen für Blinde oder Sehbehinderte anbieten. Außer dem visuellen hat man noch vier weitere Sinne, mit denen man seine Umgebung wahrnehmen kann. Es ist auf jeden Fall interessanter blind auf einem Kamel durch die Wüste zu reiten, als blind zuhause auf dem Sofa zu sitzen!

Lesen und Arbeiten am PC – Bei Sehbehinderung reicht zunächst ein Bildschirm-Lesegerät, das die Schrift vergrößert. Reicht das nicht mehr aus, gibt es elektronische Vorlesegeräte. Diese können allerdings keine Handschrift lesen.

Bücher gibt es zunehmend in Audio-Versionen und für nachweislich Blinde/Sehbehinderte gibt es mehrere Hörbüchereien, bei denen man Bücher ausleihen kann, die im Original aufgelesen sind.

Zeitung kann man immer mehr über Apps oder im Internet lesen. Den PC bedient man mit Vergrößerungs- und Sprach-Software. Es kann nicht schaden, die Brailleschrift zu erlernen, denn mit einer Braillezeile am PC hat man einen besseren Überblick, als wenn man nur mit Sprachausgabe arbeiten würde.

Für alle Bereiche des Lebens gibt es Möglichkeiten, mithilfe von etwas Phantasie, Neuorientierung, Ehrgeiz und Geduld zurechtzukommen. Es gibt viele Hilfsmittel, die das Leben erleichtern. Es ist trotzdem unerlässlich, auch die Hilfe von netten Menschen anzunehmen. Man kann sehr vieles, aber eben auch nicht alles alleine schaffen. Hilfe und Unterstützung ist wichtig und immer willkommen!

Für Fragen zu all diesen Themen stehen die Berater der Blickpunkt-Auge-Beratungsstellen in Hanau und Nidderau unter 06181/956663 kostenlos und unverbindlich zur Verfügung.

 

Mutmacher – Geschichten

Mein „Coming-Out“ – von Silvia Schäfer

Sende uns deine Geschichte!