Drive-In Behandlung – von Jürgen Grün

Jürgen Grün

Als MS-Kranker lebe ich mit ein paar Einschränkungen, die einen immer wieder vor interessante Herausforderungen stellen.

Ich muss dazu sagen, ich sitze im Rollstuhl und es fällt mir schwer, über Hindernisse zu springen. Aber ich habe das Glück, dass ich mit Hilfe eines Rollators oder wenn ich mich am Treppengeländer festhalte, einige Meter überwinden kann.

Ich erlebe immer wieder lustige Erlebnisse, die das Salz in der Suppe sind. So war ich letztens bei meinem Hausarzt, um mir die viel geliebte Kortison-Spritze (die ich alle zwei Monate benötige, um meine geniale Motorik zu erhalten) abzuholen.

Nun bin ich nachmittags zur Behandlung „gegangen“. Ich hatte wieder einmal einen meiner sportlichen Hochleistungstage, an denen eine Treppe eine echte Herausforderung für mich ist.

Aber Probleme lassen sich lösen, wenn sie sich stellen und man sie lösen will. Es war ein sonniger Tag und ich saß vor der Arztpraxis. Ich rief mit meinem Handy (was hat man eigentlich früher ohne Taschentelefon gemacht) in der Praxis an, um zu sagen, dass  ich auf meinen Abholservice warte.

Die Arzthelferin kam lächelnd heraus und sagte „Oh so ein schöner Tag, wir könnten doch die Behandlung draußen machen“. Da es mir heute schwer fiel, die Treppe elegant hoch zu gehen, trat die Arzthelferin mit dieser Aussage bei mir offene Türen ein. Also wollten wir die Rampe hinter dem Haus benutzen, um mich vor der Praxis zu parken.  Allerdings hatte ein/e freundliche/r Autofahrer/in (schwierig allen gerecht zu werden) die Rampe zugeparkt.

Aber Problem erkannt, Problem gebannt. Die Lösung war einfach. Der Arzt kam  lachend mit seinem Spritzenbesteck hinter das Haus und begann seine Behandlung (hoffentlich bezahlt das die Krankenkasse). Ich hatte den Vorteil, dass sich mein Teint verdunkelte und der Arzt eine neue Geschäftsidee hatte. Bei schönem Wetter ist eine Spritze recht angenehm. Ich bin jetzt am überlegen, wie und ob ich an diesem Geschäftsmodell beteiligt werden kann.

2 Gedanken zu „Drive-In Behandlung – von Jürgen Grün“

  1. Super! Ich finde es toll, wenn man den Barrieren trotzdem noch was Positives abgewinnen kann.
    Allerdings sollten diesen (meist gedanken-/hirnlosen) Falschparkern mindestens eine Nachricht an die Windschutzscheibe geheftet werden, damit Sie anfangen können über ihr Verhalten nachzudenken.
    Ich möchte auch mehr solche Artikel lesen…

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